Ein Shooting ist keine Prüfung
Viele Menschen fragen vor der Kamera fast automatisch: Wie soll ich stehen? Wohin mit den Händen? Wie soll ich schauen? Bewege ich mich richtig?
Als müsste man bei einem Shooting plötzlich etwas können. Sich richtig bewegen, gut aussehen, fotogen sein oder irgendwie beweisen, dass man „gut vor der Kamera“ ist.
Aber darum geht es nicht.
Du musst nicht wissen, wie du schauen sollst. Du musst keine Posen beherrschen und dich nicht auf eine bestimmte Weise bewegen.
Wir können gemeinsam herausfinden, was sich für dich stimmig anfühlt. Wir können laufen, sitzen, reden, etwas ausprobieren oder zwischendurch überhaupt nicht darüber nachdenken, dass gerade Bilder entstehen. Ein Shooting ist keine Prüfung darin, wie gut du dich fotografieren lassen kannst. Die Bilder sind etwas, das wir gemeinsam machen.
Du brauchst keinen besonderen Anlass für Bilder
Bei Hochzeiten, Geburten, Einschulungen oder runden Geburtstagen ist gesellschaftlich schon ziemlich klar, dass dieser Anlass Bedeutung hat. Deshalb erscheint es ganz selbstverständlich, Zeit, Geld und Aufmerksamkeit in Bilder davon zu investieren.
Bei vielen anderen Dingen fehlt diese äußere Legitimation.
Dass du vielleicht gerade einen bestimmten Lebensabschnitt durchmachst. Dass dir eine Freundschaft enorm wichtig ist. Dass du deinen Körper gerade auf eine bestimmte Weise erlebst. Dass du eine Idee seit Jahren mit dir herumträgst. Dass ein ganz gewöhnlicher Sommer mit deinem Kind einfach kostbar ist.
Dafür gibt es keinen gesellschaftlich vorgesehenen Fototermin. Und vielleicht behandeln wir solche Dinge deshalb auch selbst schneller so, als wären sie weniger wichtig oder weniger „fotowürdig“.
Dabei müssen Fotos nicht nur das festhalten, was ohnehin schon als besonderer Anlass gilt.
Etwas darf auch deshalb ein Anlass für Bilder sein, weil es dir wichtig ist.
Du brauchst keine Fotos?
Aber vielleicht …
… eine kleine Auszeit vom Alltag.
Eine Stunde barfuß im Wald.
Einen Grund, dieses schöne Kleid in deinem Schrank endlich mal zu tragen.
Die Erlaubnis, etwas völlig Albernes zu machen.
Einen Nachmittag nur für dich.
Oder Zeit für eine Idee, die sonst immer wieder auf „irgendwann“ verschoben wird.
Ich glaube, man muss nicht unbedingt Bilder wollen, um ein Shooting zu wollen.
Ein Shooting kann selbst der Anlass sein, etwas zu tun, das im Alltag keinen Platz findet. Etwas auszuprobieren. Einer seltsamen Idee zu folgen. Sich Zeit für etwas zu nehmen, das sonst immer hinter allem anderen zurücksteht.
Und natürlich entstehen dabei Bilder.
Sie halten fest, was in dieser Zeit entstanden ist -und bleiben dir als Erinnerung an das, was dir so wichtig war, dass du ihm diese Zeit gegeben hast.
Eine Bildidee kann ein Ergebnis sein – oder der Anfang einer Suche
Eine Bildidee zu haben, kann manchmal bedeuten, schon ziemlich genau zu wissen, wie das fertige Bild aussehen soll: welcher Ort, welche Kleidung, welche Haltung, welcher Ausdruck. Dann besteht die Aufgabe eines Shootings vor allem darin, diese Vorstellung möglichst gut herzustellen. Das kann natürlich sinnvoll und gut sein, doch mich interessiert meist etwas anderes:
Für mich ist eine Bildidee in erster Linie ein Ausgangspunkt. Vielleicht gibt es eine bestimmte Stimmung, einen Ort, ein Kleid, eine Farbe oder eine Vorstellung davon, womit wir anfangen wollen. Aber daraus folgt noch nicht, wie die Bilder am Ende aussehen müssen.
Denn erst beim Fotografieren zeigt sich, was tatsächlich daraus entsteht. Wie du dich an diesem Ort bewegst. Was sich plötzlich richtig oder falsch anfühlt. Welche Idee unterwegs interessanter wird als die ursprüngliche. Was passiert, wenn Wind, Licht, Müdigkeit, Albernheit oder ein unerwarteter Moment dazukommen.
Genau darin liegt für mich der Reiz eines Shootings: nicht ein Bild nachzubauen, das vorher schon fertig im Kopf existiert, sondern gemeinsam etwas zu entdecken, das es so vorher noch nicht gab.Die Bildidee gibt uns eine Richtung. Aber sie muss nicht schon die Antwort kennen.
Nicht jedes Bild muss „schön“ sein
Wenn wir bei Fotos von „schön“ sprechen, ist damit oft etwas ziemlich Bestimmtes gemeint: ein vorteilhafter Winkel, eine gute Haltung, glatte Haut, ein angenehmer Gesichtsausdruck. Möglichst nichts, was irritiert oder stört.
Aber ich glaube nicht, dass Schönheit darin liegt, all diese Dinge richtig zu machen.
Manchmal kann ein müder Blick wunderschön aussehen. Eine merkwürdige Bewegung. Haut, die einfach nach Haut aussieht. Haare, die nicht richtig liegen. Einen Körper, der gerade nicht versucht, besonders vorteilhaft auszusehen. Oder einen Moment, in dem Licht, Umgebung und Mensch plötzlich so zusammenkommen, dass das Bild etwas Eigenes bekommt.
Ich denke, es geht nicht darum, auf Bildern möglichst „schön auszusehen“. Sondern darum, Bilder entstehen zu lassen, in denen etwas schön werden kann, gerade weil es nicht vorher zurechtgerückt wurde. Für mich liegt Schönheit oft genau dort: nicht in möglichst viel Perfektion, sondern darin, dass ein Bild lebendig, eigen und in sich stimmig wird.